Statement zur Dankesveranstaltung der Sächsischen Staatskanzlei für ehrenamtlich tätige und engagierte Personen in der Flüchtlingshilfe


Die derzeitige Stimmung in Sachsen und die jüngsten Vorfälle in Clausnitz und Bautzen führen dazu, dass wir wenig Grund zum Feiern sehen: Brand- und Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, fremdenfeindliche Demonstrationen und Kundgebungen, Hetze, die alltäglich wird. Mit unserem Engagement versuchen wir seit Monaten, Geflüchtete vor Ort kennen zu lernen, zu unterstützen und zu integrieren. Ihre Würde zu bewahren, gegen menschenfeindliche, intolerante und rassistische Bewegungen zu argumentieren, aufzuklären und ihnen den Nährboden zu nehmen. Diese Arbeit kostet viel Zeit und Kraft. Sie führt aber auch dazu, dass man sich in seinem privaten oder beruflichen Umfeld rechtfertigen und erklären muss oder gar angefeindet wird. Wir wünschen uns eine klare Analyse sächsischer Verhältnisse, ein deutliches Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit von Politik und Behörden und die Begegnung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Darum unterstützen wir folgenden Aufruf, der gemeinsam unterzeichnet von vielen Initiativen, Vereinen und Privatpersonen, am kommenden Freitag Herrn Ministerpräsident Tillich überreicht wird:


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Stanislaw Tillich,

die neuesten Ereignisse in Sachsen schockieren und beschämen uns. Vielerorts in Sachsen kommt es zu öffentlichen Anfeindungen und sogar zu Gewalttaten gegenüber geflüchteten Menschen und deren Unterkünfte.
Die Dankesveranstaltung ist ein Signal der Wertschätzung. Ein echtes Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit wären aber ernst gemeinte politische Aktivitäten auf verschiedenen Ebenen.
Wir als engagierte Ehren- und Hauptamtliche wollen gehört werden. Aber vor allem wollen wir unterstützt werden. Das Problem des stärker werdenden Rechtsextremismus in Sachsen ist anzugehen und klar dazu Stellung zu beziehen. Als oberster Verantwortungsträger des Freistaates Sachsen fordern wir von Ihnen den unmissverständlichen Einsatz gegen die sich mehrenden Angriffe gegen die Grundfesten unserer Verfassung. Unsere freiheitlich-demokratische Art zu denken und zu leben steht auf dem Spiel.
Wir erwarten von Ihnen, diese Grundwerte zu schützen. Seien Sie vor Ort, wenn Menschen diese Grundwerte und geflüchtete Menschen bedrohen und sträflich verletzen. Treten Sie politischen Hetzern wie der AfD oder Politikern aus ihrer eigenen Partei entschieden entgegen. Fördern Sie das bürgerschaftliche Engagement für geflüchtete Menschen. Klären Sie umstrittene Polizeieinsätze zügig auf und zeigen Sie durch das zügige und transparente Ziehen von Konsequenzen, welche Prinzipien der Freistaat Sachsen vertritt.
Nehmen Sie uns als Partner wahr. Wir wollen, können und werden den Prozess der Integration unterstützen und mit dafür Sorge tragen, dass ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in Sachsen gelingt. Wir wollen helfen, brauchen dazu aber auch die Bereitschaft, den Willen und die nötigen Informationen. Diese werden uns viel zu oft von den zuständigen Behörden vorenthalten.
Zentral ist für uns auch, dass geflüchtete Menschen nicht nur als „Objekt“ gesehen werden, über das debattiert wird. Binden Sie die geflüchteten Menschen mit ein. Reden Sie nicht ÜBER sondern MIT ihnen und Sie werden feststellen, dass aus einer neuen Perspektive neue Lösungsansätze entstehen, die den Diskurs bereichern.
Dieser Brief soll deutlich machen, dass wir mit der jetzigen Situation und dem Umgang mit dieser sehr unzufrieden und enttäuscht sind. Kommen Sie auf uns zu und lassen Sie uns gemeinsam den Angriffen auf unsere Grundwerte entgegenstellen und die Herausforderungen der Integration sachlich und konstruktiv auf Augenhöhe miteinander bewältigen.

Kommentare