Tag der offenen Tür in der EAE Döbeln


Keiner weiß, wer in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Döbeln untergebracht wird. Keiner weiß genau, wann die Menschen eintreffen. Und keiner weiß, woher sie kommen. Die Informationen sind teilweise widersprüchlich. Wir haben uns am Montag mit Bettina Belkner, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Muldental e.V., unterhalten und ihre Informationen und Gedanken / Vermutungen hier für Euch zusammengefasst.

Das Land Sachsen hat das Grundstück gekauft und weist dem Muldentaler DRK-Kreisverband die Räume zu, die er für die Flüchtlingsunterkunft herrichten darf. Bislang sind das nur die einstigen Maschinenhallen im Erdgeschoss. In einer beheizbaren Halle werden 400 Betten stehen, die noch mit Trennwänden (spanischen Wänden) abgeteilt werden, sodass zumindest ein wenig „Privatsphäre“ entsteht. 150 Feldbetten stehen bereits. Sie werden – weil in Deutschland momentan nicht mehr zu haben – aus Rußland und China importiert.

An der Stirnseite der „Wohnhalle“ – in der ehemaligen Cafeteria von Autoliv und hinter einer Glaswand - wird das Team des DRK Quartier beziehen. Die Betreuer werden rund um die Uhr vor Ort sein. 

In einer nicht beheizten Halle direkt nebenan wurden 2 Sanitärcontainer für Frauen und Männer aufgestellt, die derzeit über je 12 Toiletten und 7 Duschen verfügen. Es sollen weitere hinzukommen, wenn die Flüchtlinge da sind. Dann wird man auch sehen, wie man die sanitären Bedingungen für Säuglinge und behinderten Menschen organisiert. 

In der Halle gegenüber soll die Essensversorgung stattfinden. Die Räume standen noch nicht zur Besichtigung offen. Die Versorgung übernimmt die RWS-Gruppe aus Leipzig, die schon zwei Heime in Leipzig mit Essen beliefert und Erfahrungen hat, welche Gerichte den Essgewohnheiten der Menschen entsprechen. RWS wird auch die Reinigung der EAE in Döbeln übernehmen.
Das DRK stellt 12 Waschmaschinen und 12 Trockner auf. Die Bewohner können ihre Wäsche in Wäschesäcken abgeben. Sie wird gereinigt und ihnen dann zurückgegeben. Ist das erste Chaos in geordnete Bahnen gelenkt, sollen die Flüchtlinge dann auch an diese Arbeiten mit herangezogen werden. Das klappt nach Aussagen von Bettina Belkner vor allem mit den syrischen Familien sehr gut.

Das DRK möchte Spielzimmer, Rückzugsorte für Frauen und Kinder, vor allem aber für stillende Frauen und auch Gebetsräume einrichten. In welchem Bereich von Autoliv das möglich sein wird, ist noch nicht klar. Frau Belkner hofft darauf, dass die Landesdirektion grünes Licht für die einstigen Büroräume von Autoliv gibt. Die sind in der ersten Etage nicht nur wärmer und sicherer, sondern mit Teppichböden natürlich auch weitaus gemütlicher als die ehemaligen Maschinenräume. Allerdings ist noch nicht klar, ob diese Räume zur Verfügung stehen. Es könnte auch sein, dass sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bezogen werden. Nach Informationen des DRK sollen bestehende Außenstellen wie Chemnitz weiter ausgebaut werden und tiefer ins Land gehen. Dafür schafft die BAMF nach eigenen Aussagen 550 neue Stellen. Döbeln böte sich durch seine zentrale Lage und gute verkehrstechnische Anbindung dafür natürlich an. Zudem hat Peter Darmstadt im MDR-Interview gesagt, dass das Land Sachsen die Einrichtung „wirtschaftlich“ betreiben muss. Das könnte also bedeuten: entweder kommt das BAMF oder es werden hier weitere Flüchtlinge untergebracht.


Spielzimmer und Unterrichtsräume wird es in der EAE Autoliv aber auf jeden Fall geben. Der Kindergarten St. Florian und viele freiwillige Helfer haben für deren Einrichtung schon Unterstützung angemeldet.

Die medizinische Basisversorgung der Flüchtlinge wird über einen Medpoint abgesichert. Er soll rund um die Uhr besetzt sein. Derzeit ist das DRK auch im Gespräch mit niedergelassenen Ärzten, um bei Bedarf die gezielte medizinische Versorgung abzusichern. Asylsuchende erhalten ärztliche Versorgung nach Vorlage eines Behandlungsscheines. Die Kosten tragen nicht die Gesetzlichen Krankenkassen, sondern diese übernimmt bis zur Anerkennung des Asyls der Freistaat Sachsen. 

Die in der Bevölkerung verbreitete Angst vor dem Wiederaufleben alter, in unserer Region ausgemerzter Krankheiten wie Hepatitis oder Tuberkulose ist nach Peter Darmstadt von der Landesdirektion unbegründet. Das DRK rüstet seine haupt- und ehrenamtlichen Helfer trotzdem mit Mundschutz aus und überlässt es jedem Einzelnen, selbst zu entscheiden, ob er Mundschutz und Latexhandschuhe trägt oder nicht. Eine wichtige Prophylaxe sei aber ein lückenloser Impfschutz!

Die Registrierung der Flüchtlinge erfolgt über eine Art Chipkarte, auf der Fingerabdruck, Name, Geburtsdatum, Herkunftsland etc. gespeichert werden. Mit dieser Karte weisen sie sich überall aus, also nicht nur beim Verlassen oder Betreten der EAE, sondern auch beim Essen. Diese Registrierung soll zudem helfen, Familien, die sich auf der Flucht verloren haben, wieder zusammenzuführen. Die Registrierung wird allerdings auch dafür genutzt, um die Daten mit den Meldestellen der Länder abzugleichen und so erfundene Identitäten zu ermitteln. 

Das DRK Muldental braucht für die EAE Döbeln 58 neue Mitarbeiter. Zum einen werden für den Med-Point Rettungssanitäter und Krankenschwestern/-pfleger gesucht. Gebraucht werden aber vor allem Menschen, die sich die Betreuung der Flüchtlinge zutrauen, ein wenig Englisch sprechen und über ein sauberes Führungszeugnis verfügen. Eine spezielle Ausbildung ist dafür nicht erforderlich. Die menschliche Eignung entscheidet. Bereits jetzt finden täglich Bewerbungsgespräche statt. Viele ehemalige Mitarbeiterinnen von Autoliv wollen diese Chance nutzen. Da die Stellen nicht auf der Homepage des DRK-Muldental ausgeschrieben sind, wäre es für Interessenten ratsam, dort einfach mal anzurufen. Die Arbeitsverträge werden für ein Jahr geschlossen. Das DRK geht aber davon aus, dass sie verlängert werden, weil anzunehmen ist, dass es die EAE in Döbeln länger geben wird.
 

Das DRK Sachsen betreut derzeit 27 EAE mit 11000 Menschen. In Sachsen kamen auch 1300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Das DRK Muldental richtet gerade das erste Kinder- und Jugendheim für sie ein. Auch dafür werden geeignete Fachkräfte gebraucht.

Kommentare